Spielsucht

Was ist das?

Spiele machen den meisten Menschen Spaß, weil sie mit der Chance auf einen Belohnungserhalt (Geldgewinn, soziales Zugehörigkeitsgefühl) verknüpft sind. 
Hinzu kommt, dass man nicht immer gewinnt, was den Kick bei einem Gewinn zusätzlich erhöht und das Spielen attraktiver erscheinen lässt.
Für manche Menschen kann der Gewinn von Geld oder der Aufstieg in der Rangliste in einem Spiel solch selbstwertsteigernde Gefühle auslösen, dass das Spielen als eine Art Strategie genutzt wird, negative Emotionen zu bewältigen. 
Kommen weitere Faktoren wie ein allgemein geringer Selbstwert, ein kritisches Lebensereignis, eine genetische Disposition für Suchterkrankungen, Angststörungen oder Depressionen hinzu, kann Spielen sehr schnell in eine Sucht übergehen. 

Spielsucht oder auch die klinische Bezeichnung “Störung durch Glücksspiel” sowie “Störung durch (Off- und Online) Computerspiele” sind mittlerweile die anerkanntesten klinischen Diagnosen im Bereich der Verhaltenssüchte. 
In Deutschland leiden ca 0,5% an einer Störung durch Glücksspiele und 1% durch Computerspiele. 
Beide Störungen sind von einem erheblichen Leidensdruck der Betroffenen und auch ihrer Angehörigen begleitet. 

Ohne professionelle Hilfe ist dem meist nicht mehr entgegen zusteuern. 
Leider sind häufig erst schwerwiegende Folgen wie hohe Schulden, Trennungen, Depressionen bis hin zu Suizidversuchen die Auslöser professionelle Hilfe in einer Klinik oder Beratungsstelle aufzusuchen.

Symptome

Es gibt klare Kriterien ab wann ein Verhalten – in diesem Fall das Spielen – als eine Sucht bezeichnet werden kann.

Einige typische Anzeichen woran man als Angehöriger oder nahe stehende Person eine Störung durch Glücks- oder Computerspiele erkennen kann sind:

  • der Betroffene ist in seinen/ihren Gedanken und der Wahrnehmung in dem Thema Spielen völlig gefangen
  • Treffen werden ohne ersichtlichen Grund häufig abgesagt
  • frühere Freizeitaktivitäten werden aufgegeben
  • der Betroffene ist generell sehr unzuverlässig
  • der Betroffene zeigt starke Stimmungsschwankungen

Aber auch ein Betroffener selbst kann bestimmte Symptome an sich beobachten, die für eine Sucht sprechen:

  • kontinuierlicher unwiderstehlicher Drang zum Spielen
  • man verliert die Kontrolle über Beginn und Ende des Spielens
  • mehrfache Versuche das Spielen einzuschränken scheitern
  • man verheimlicht Anderen, dass man spielt
  • nur beim Spielen fühlt man sich glücklich und entspannt
  • das Spielen wird trotz bereits eingetretener negativer Konsequenzen (z.B. deutliche Leistungsminderung oder Übermüdung am Arbeitsplatz oder in der Schule) fortgeführt
  • man versuch persönliche/alltägliche Probleme mit Hilfe des Spielens zu verdrängen
  • man belügt andere hinsichtlich des Ausmaß des Spielens

Neben diesen Symptomen führen Versuche das Spielen einzuschränken zu Symptomen wie:

  • Reizbarkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • Schlafstörungen
  • innere Unruhe

Bei einem Glücksspielsüchtigen wird der Alltag zusätzlich von dem permanenten Druck Geld zu beschaffen bestimmt, um die entstehenden Verluste des Vortags auszugleichen.

Das Nachjagen und der Kontrollverlust (meist wird so lange gespielt bis kein Geld mehr übrig ist) führen dazu, dass immer häufiger gespielt wird und sich die Geldeinsätze steigern. 
Die zunehmende Verschuldung, in einem Ausmaß das Angehörige oder andere Personen um finanzielle Unterstützung herangezogen und belogen werden, erzeugt starke Gefühle der Scham und meist selbst-zerfleischende Kritik. 
Zunehmender sozialer Rückzug und Depressionen, als Folge, verschlimmern die Spielproblematik noch.

Bei einer Computerspielsucht lassen sich ähnliche Symptome beobachten mit der Ausnahme, dass die Belohnung weniger mit Geld sondern vielmehr mit sozialer Anerkennung und Leistung im Team verknüpft ist. 
Häufig leiden die Betroffenen unter sozialen Ängsten und leben allgemein zurückgezogener. 
Deshalb wird der Übergang zwischen dem Spielen als Lust und Unterhaltung zur Sucht meistens erst spät vom Umfeld bemerkt.

Die Folgen einer Spielsucht können je nach Schwere sehr weitreichend und gravierend sein. 
Oftmals sind die Folgen dieser Sucht:

  • Verlust sozialer Kontakte
  • Familiäre Konflikte
  • Trennung/Scheidung
  • Verlust des Arbeits- oder Studienplatzes
  • Depressionen
  • Persönlichkeits- und Angststörungen
  • hohe Geldschulden meist im Falle von Glücksspiel

Ursachen und Folgen

Die Ursachen für eine Spielsucht sind individuell und unterschiedlich. 
Jeder Betroffene ist verschieden und entwickelt aus anderen Gründen eine Sucht. 
Daher ist es schwierig eine allgemeine Ursache zu definieren. 
Es gibt jedoch einige Ursachen, die häufig Auslöser sind.
Diese sind zum Beispiel:

  • mangelndes Selbstwertgefühl und Schwierigkeiten im Umgang mit eigenen Gefühlen
  • psychische Erkrankungen wie Angststörungen, denen manchmal traumatische Erlebnisse in der Vergangenheit zugrunde liegen oder Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS)
  • Lebenskrisen wie Unfall, Krankheit, Verlust einer nahe stehenden Person oder andere gravierende Veränderungen im Alltag

Spielen lässt die Alltagssorgen zwar für den Moment vergessen, danach erscheinen sie jedoch zunehmend unbewältigbar. 
Dadurch entsteht schnell ein Teufelskreis.

Therapie

Das störungsspezifische Therapieangebot bei Spielsucht erstreckt sich von ambulanten über tagesklinischen bis zu stationären Behandlungsmöglichkeiten. 
Bei der Wahl der geeigneten Behandlungsform werden der Schweregrad der Problematik, psychosoziale Faktoren (z.B. Unterstützung durch die Angehörigen) und etwaige Begleiterkrankungen berücksichtigt. 
In Einzel- und Gruppensettings werden zusammen mit dem Betroffenen die Ursachen und Gründe der Sucht identifiziert. 
Mit dem Fokus auf seine/ihre persönlichen Ziele sowie Fähig- und Fertigkeiten werden Alternativstrategien zur Bewältigung aktueller kritischer Situationen erarbeitet und in den Alltag umgesetzt. 
In weiteren Sitzungen werden die Strategien bewertet, modifiziert oder durch andere ausgetauscht bis sich der Patient für die ihn angemessenste Lösung entscheidet. 
Wichtig dabei ist, dass er/sie zunehmend selbstständig und autonom zu entscheiden was für die eigene Persönlichkeitsentwicklung wichtig ist. 
Sport sowie künstlerische Tätigkeiten können hierbei sehr unterstützend wirken. 

Neben der klinischen und ambulanten Behandlung werden Selbsthilfegruppen empfohlen. 
Hier fällt es den Meisten leichter offen über die eigenen Probleme zu reden. 
Es ist häufig eine große Hilfe zu sehen, dass man nicht alleine ist und sich mit anderen Betroffenen austauschen kann. 

Weiter Informationen finden Sie unter:

www.zi-mannheim.de
www.pzn-wiesloch.de